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A Cappella Impro im Lichte eines professionellen künstlerischen Anspruchs

Gesehen im Lichte eines professionellen Anspruchs bietet – und zugleich verlangt – die freie Stimmimprovisation als Kunstform eine Synthese von authentischem musikalischen Ausdruck und künstlerischer Meisterschaft.

Wirklich authentischer musikalischer Ausdruck ist nach meiner Meinung die Meisterschaft der Hingabe an den „Willen der Musik“.

Das bedeutet einerseits, nie nur „irgendwelche hübschen, hochkompetenten Töne zu singen“, sondern – in jedem Moment neu präsent – eine über Melodien, Rhythmen und Geräusche geformte Aussage zu machen und somit eine Art „musikalische Geschichte zu erzählen“.
Andererseits, ob allein oder als Teil einer Gruppe, ist tiefe Hingabe gefordert: An die eigene musikalische, körperliche, emotionale und spirituelle Intuition des Moments, sowie an die des „Feldes“, also an das musikalische Thema, das sich im Raum und durch das Ensemble entfaltet. Diese Form der Hingabe hat natürlich nichts mit unterwürfiger Einschränkung der eigenen Persönlichkeit zu tun, sondern eher damit, der Versuchung zu widerstehen (bzw. sie ganz zu verabschieden), zeigen zu wollen, „wie toll man ist, und wie großartig man singen kann“.

Das ist besonders für Profimusiker manchmal schwierig, denn unser Identitätsgefühl ist eng verknüpft mit der Qualität unserer Performance. Die Erfahrung und das Wissen, dass die Intuition „immer“ definitiv klügere, rundere und vor allem berührendere Musik hervorbringt als unser Ego, wird im laufe der Zeit den Schaffensdrang beruhigen und durch heiteres Vertrauen ersetzen.

Auch loszulassen sind jedwede musikalische „Ideen“, denn eine Idee entsteht zwar im Hier und Jetzt, ist jedoch zu zukunftsgerichtet und unflexibel: Im nächsten Moment wird der Fluss der Musik mit Sicherheit schon etwas unvorhersehbar Unerwartetes verlangen. Erst die Bereitschaft, immer neu, immer wieder nach außen und innen zu hören, die Impulse jeden Moments aufzunehmen und musikalisch zu spiegeln, erst nach der Überwindung des „Wünschens, Wollens und Denkens“, ähnlich wie in der Meditation, ist die wirkliche Freude des „Frei Seins“  in dieser Kunstform zu erfahren.

Frei sein können verlangt selbstredend auch das Streben nach je nach Geschmack definierter Perfektion auf stimmbildnerischer Ebene, sowie ein hohes Level an Durchlässigkeit in der Wahrnehmung von Impulsen – die eigenen, die der Mit-Improviser und die des übergeordneten Ganzen.

Die künstlerische Meisterschaft ist meiner Meinung nach etwas zugleich Objektives wie Subjektives: Ich kann nicht nach etwas streben, das meine Vision oder mein Interesse mir nicht erkennbar machen.
Allgemeiner, also objektiver gesehen, liegt die künstlerische Meisterschaft nach meiner Philosophie von A Cappella Improvisation

  • im Durchdringen und parat haben verschiedenster musikalischer Stilrichtungen und Klangfarben, sowie unterschiedlicher (Poly)rhythmik-Themata,
  • in der Versiertheit in kompositorischem Hören (Gesamtklang, Blending, Harmonik, Modulation, Stilistik, Phrasierung, Puls, Rhythmik, Agogik, Dynamik, …),
  • in der Fähigkeit, stante pede jede von der Musik geforderte Rolle einnehmen zu können (Solieren, Führen, gleichberechtigte Kommunikation, Folgen, Begleiten, Harmonisieren, Schweigen, Melodiephrasen, Bassbegleitung, Vocal Percussion, Einwürfe, Effekte,…),
  • im Ausbalancieren des Spannungsfeldes zwischen Vertikalität (Pulsbezogenheit) und Horizontalität (Phrasenbildung),
  • sowie in der Abwesenheit von Zweifel und Hast, unabhängig vom Grundtempo der Musik.

Wie unschwer zu erkennen ist, ist das „mehr als“ eine Lebensaufgabe – eine wunderbare und abenteuerreiche, der ich mich als Performance Artist sowie im Dienste meiner Schüler mit Freude widme.

Text von:
Johanna Seiler

Stimm-Improvisation, wie ich sie sehe und lehre

Die A Cappella Improvisation ist – neben ihrer möglichen Ausprägung als Performance Art – ein unheimlich vielschichtiges Vehikel für Menschen, die sich über ihre Stimme musikalisch wie auch persönlich weiter entfalten möchten.

In der Vokal-Improvisation, wie ich sie verstehe und lehre, findet jede Stimme ihren Platz – ob schüchtern, unerfahren und behindert von negativen Vorurteilen „ihres Besitzers“ oder bereits ausgebildet, musikerfahren und frei. Denn die Improvisationen, die aus dem Moment heraus entstehen, sind mehr als die Summe der Einzelstimmen und entstehen nie „durch oder von“ einer bestimmten Person, sondern immer „irgendwo inmitten“  eines Ensembles.

Das macht sie zu einem wunderbaren Nährboden für Lernerfahrung und Entfaltung: Es geht immer um das, was gerade da ist, nie um das, was evt. individuell als fehlend oder fehlerhaft empfunden wird.
So ist es beispielsweise auch in einer gemischten Workshop-Gruppe aus – hier extrem gezeichnet – kompletten Neulingen und Profimusikern gegeben, dass alle gleichermaßen profitieren:
Ich sehe es als meine Aufgabe, für einen geschützten Raum zu sorgen und jeden Teilnehmer meiner Kurse individuell und entsprechend seines Levels, seiner momentanen Schwerpunkte und Bedürfnisse zu fördern und seine nächsten Schritte zu begleiten.
Mein profunder musikalischer Back Ground, meine Erfahrung im Bereich Systemik und emotionaler Prozessarbeit, meine stetig vertiefte Feinwahrnehmung und eigene Hingabe an das große (musikalische) Ganze stehen mir bei meiner Unterrichtstätigkeit zuverlässig zur Seite.
Getragen werde ich von meiner unbändigen Begeisterung für diese Arbeit und für all die Menschen,  die sich immer wieder „mutig ins Ungewisse stürzen“, um Neues zu erfahren und im besten Sinne mehr sie selbst zu werden, Menschen, die in dieser Welt der (Stimmen)-Musik Erkenntnis und Freude suchen – und finden.

Interview: Lehrarbeit Vokalimprovisation, 27.2.2016

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Mehr Informationen

Interview-Video mit
Johanna Seiler im Rahmen
des 14. Symposiums für Kinder- & Jugendstimme
in Leipzig, 26. bis 28.2 2016
Thema:
Vokalimprovisation
im pädagogischen & therapeutischen Kontext

Geschützt: BODY PERCUSSION

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ÜBUNG: Quarte & Doppelquarte

TRACK: Übungserklärung

TRACK: Lage 1

TRACK: Lage 2

TRACK: Lage 3

Wie damit umgehen?

1.) der erste lange Ton auf den Aufnahmen ist je der Grundton der Übung:
Ihn als Basiston zum suchen der ersten Quarte drüber nutzen

2.) „dann gehts los“ = im Quartabstand mitsingen:
= erst nochmal zum „kurzen“ Grundton – dann zum Wechselton nach unten, dann wieder zum langen Grundton, dann wieder nochmal zum kurzen Grundton – dann zum Wechselton nach oben.
(Vom Grundton aus sind bei den Wechseltönen je Ganztonschritte nach unten bzw. nach oben zu singen.)

3.) Im Anschluss daran hört Ihr auf der Aufnahme erstmals den lang gehaltenen Quartklang (2stimmig) = 
a) dessen oberen Ton entweder gleich als Suchton zum finden der zweiten Quarte drüber nutzen
b) oder ihn erstmal als Vergleichston nutzen (= identisch mitsingen), ob man im Abschnitt vorher die richtigen Töne erwischt hatte.

4.) danach…
a) entweder weiter gleich je die 2. Oberquarte mit den Wechseln nach unten und oben mitsingen.
b) oder erstmal weiter je den oberen Ton (= 1. Quarte) auf der Aufnahme mitsingen = zum Vergleich, ob man im ersten Abschnitt die richtigen Töne hatte.
-> in diesem Fall kann dann eins der späteren lang gehaltenen Töne/Intervalle genutzt werden, um den Ton für die 2. Oberquarte zu suchen und im Anschluss dann weiter im 2. Quartabstand mitzusingen.